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Orphanisierung oder der große Reibach der Pharmaindustrie

Bicomplex Newsletter Mai 2015

Viele gesetzliche Anstrengungen sollen die Kostenexplosion bei Medikamenten stoppen. Diese Hoffnung ist aber – besonders bei den superteuren, neuen Medikamenten – nicht in Erfüllung gegangen. Bei diesen werden heute schnell mal jährliche Behandlungskosten von 100.000 Euro pro Patient erreicht und überschritten.

Ein Grund ist die sogenannte „Orphanisierung“. Das englische Wort „orphan“ bezeichnet ein Waisenkind, „Orphan-Arzneimittel“ sind eigentlich Arzneimittel für seltene Krankheiten (-> Wikipedia). Solche Arzneimittel genießen besondere finanzielle Förderung durch den Staat, können vereinfacht oder verbilligt zugelassen werden und erfahren besonderen Vermarktungsschutz. Klar, sonst würden sofort Nachahmer kommen und ohne Eigenbeteiligung mitkassieren. Und: Ohne diese besonderen staatlichen Zuwendungen würde kein Unternehmen überhaupt noch Arzneimittel für kleine Patientengruppen mit vielleicht nur ein paar hundert Patienten weltweit entwickeln und vermarkten – es lohnt sich für die Aktionäre einfach nicht!

Das Mauseloch der orphan-Arzneimittel-Zulassung haben jetzt die großen Chemie- und Pharmagiganten für sich entdeckt, vor allem bei neuen Krebsmitteln. Diese werden seit wenigen Jahren auf immer kleinere Patientengruppen zugeschnitten („Stratifizierung“), bekommen dann den begehrten orphan-Arzneimittel-Status mit Schnellzulassung und Bestandschutz und sind zudem von den seit 2011 geltenden strengen Preisfestlegungs-Verfahren für patentgeschützte Arzneimittel ausgenommen („frühe Nutzenbewertung“). Mit staatlicher Hilfe von allen preisregulierenden Mechanismen ausgenommen, läuft jetzt die Gelddruckmaschine bei Pfizer, Roche, Merck, Sanofi, Novartis und anderen heiß. In vielen Fällen wird dann nach einigen Jahren der Anwendungsbereich auf andere Erkrankungen mit vielen Patienten erweitert und das Mega-Geschäft geht weiter.

Das erklärt den Widerstand gegen die Komplementär- und Alternativmedizin

Bedenkt man im Vergleich dazu den Preis einer Packung eines einzigen JSO-Bicomplex-Arzneimittels, zum Beispiel JSO Bicomplex Nr. 16 (→ Magenmittel 1, unter 10 Euro), und dessen Tagestherapiekosten (Cent-Beträge) versteht man, warum Alternativ- und Komplementärmedizin soviel Ablehnung und Verfolgung bestimmter Kreise erfährt. Nicht weil sie nicht funktioniert (das können die AnwenderInnen ja wohl selbst entscheiden) oder weil das Konzept dahinter so unwissenschaftlich ist (zum Beispiel Ayurveda)!

Nein, einfach nur deswegen, weil sie so billig ist. Und damit das Modell maximaler Wertschöpfung um jeden Preis im Pharmamarkt grundsätzlich in Frage stellt. Denn diese Frage tut wirklich weh: Brauchen wir eine derartig teure Medizin wirklich, um gesund und glücklich zu leben? Was ist, wenn wie sie nicht bräuchten (worauf immer häufiger wissenschaftliche Studien zum tatsächlichen Patienten-Nutzen von Hightech-Medizin hinweisen)? Was ist, wenn Gesundheit vor allem durch gesunde Lebensverhältnisse, eine menschengerechte Welt, eine gesunde Ernährung oder einen liebevolleren Umgang der Menschen miteinander entsteht. Und nicht als milliardenschweres „Produkt“ eines vor allem profitorientierten Gesundheits-Industrie-Komplexes („Ware Gesundheit“)? Mythos Orphanisierung

Autor
• Rainer H. Bubenzer, Gesundheitsberater, Bicomplexe.Heilpflanzen-Welt.de