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Ein schwarzer Schimmel: „Barfußschuhe“

Bicomplex Newsletter Mai 2014

In der modernen Zivilisation mit ihrem Überangebot an Waren und Dienstleistungen ist es manchmal nicht mehr ganz einfach, Sinn und Wahnsinn zu unterscheiden, finden Sie nicht auch? Jüngst ist mir das wieder aufgefallen, als ich in den Medien über eine merkwürdige Produktgruppe stolperte: Barfußschuhe! Barfußschuhe?? Was ist denn das? Im Bildungsbürger-Deutsch heißt so ein Wort „Oxymoron“ – also ein Begriff, der sich selbst widerspricht, zum Beispiel „schwarzer Schimmel“. Ich meine natürlich das Pferd, nicht die millionenfache Folge von Isolierglasfenstern! Es scheint, als ob Barfußschuhe – den Werbebeteuerungen der Anbieter nach – tatsächlich für das Barfußlaufen verkauft werden. Also tatsächlich ein Widerspruch in sich, mit Schuhen barfußlaufen!

Nicht nur logisch betrachtet sind Barfußschuhe völliger Blödsinn, sondern auch aus naturheilkundlicher Sicht. Die bekanntesten Wassertherapeuten Vincenz Prießnitz (1799-1851) und Sebastian Kneipp (1821-1897) hatten im 19. Jahrhundert traditionelle Therapien Europas und der Antike aufgegriffen, bei denen Wasseranwendungen durch heilende Reize zur Gesundung von kranken Menschen beitragen sollen – die sogenannte Hydro- oder Wassertherapie. Und hierzu gehört bis heute – neben vielen anderen Verfahren – das Barfußgehen. Zum Beispiel in speziellen Wassertret-Becken, auf taufeuchten Wiesen (bzw. dem heimischen Rasen) oder durch weichen Schnee. In vielen naturheilkundlichen Kur- und Heil-Einrichungen Mitteleuropas wird der therapeutische Barfußkontakt mit dem nassen Element Wasser immer noch gepflegt. Einfach deswegen, weil es hochwirksam Herz- und Kreislauf anregt, das Nervensystem stimuliert, Durchblutung und „Entschlackung“ fördert, das Wärmezentrum des Menschen harmonisiert und vieles andere mehr. Hierbei „Barfußschuhe“ anzuziehen, wäre kontraproduktiv, weil die heilenden Reize ausbleiben würden. Nicht zuletzt, wenn jene Produkte verwendet werden, die mit einer besonders wasserundurchlässigen Gummisohle beworben werden.

Zu der naturheilkundlichen vorbeugenden und heilenden Kraft des Barfußlaufens kommt – aus heutiger Sicht – der medizinische Wahnsinn jeglichen fußeinengenden Schuhwerks. Hierüber haben schon viele andere berichtet und gezeigt, dass nahezu alle orthopädischen Erkrankungen von Füßen und Beinen durch konsequentes Barfußlaufen vermeidbar wären. Was in unseren Breitengraden natürlich einige Probleme mit sich bringt, auf die Barfußschuhe eine Antwort zu sein scheinen. Doch auch dieses Schuhwerk engt die Füße bereits ein und verringert z. B. die natürliche Spreizung der Zehen. Wie das Dilemma zwischen Kälte, Nässe, Dreck und fußunfreundlichen Untergründen und medizinisch wünschenswertem Barfußlaufen in der städtischen Zivilisation der Moderne gelöst werden kann, weiß ich auch nicht. Barfußschuhe jedenfalls sind zwar eine nette Modeerfindung, aber keine Antwort auf diese Frage. Sie sehen, dass naturheilkundliches (Nach-)Denken zwar helfen kann, wichtige Sachverhalte des Lebens zu verstehen. Doch ein naturmedizinisches Rezeptbuch, das auf alles fertige Antworten parat hat, gibt es nicht.

Dieses Beispiel soll ein Prinzip der Naturheilkunde verdeutlichen, das auch für die Anwendung von aus Schüßlersalzen sinnvoll kombinierten Bicomplex-Präparaten gilt: Barfußlaufen auf nassem Gras tut uns gut, auch wenn es an einem kühlen Morgen einiges an Überwindung kosten mag. Mit Barfußschuhen kostet Tautreten zwar keine Überwindung mehr, aber es funktioniert dann auch nicht. Dies gilt für viele Verfahren der Naturmedizin: Patienten müssen aktiv auf ihre Heilungs-Chance „zugehen“ und bereit sein, einiges für diese Chance auf sich zu nehmen. Rheuma-Patienten müssen sich beispielsweise viel bewegen, auch wenn dies erst mal wehtut (beschrieben in dem Beitrag „Rheuma: Beweglichkeit herstellen ist am wichtigsten“). Wer jahrzehntelang aufgebautes, krankmachendes Übergewicht loswerden will, darf nicht alleine auf die wohltätige Wirkung von Bicomplex-Präparaten vertrauen. Sondern er muss erhebliche Eigenleistungen erbringen, z. B. mit körperlicher Aktivierung und Intervall-Fasten (beschrieben in dem Beitrag „Intervall-Fasten: Die Option für gesundes Gewicht und langes Leben“).

Autor
• Rainer H. Bubenzer, Gesundheitsberater, Bicomplexe.Heilpflanzen-Welt.de